Kurzer methodischer Exkurs
Bei jeder Studie stellt sich die Frage nach der unter Abwägung aller Vor- und Nachteile angemessenen Untersuchungsmethodik.
Grundsätzlich bieten sich hierfür
| • | mündlich-persönliche (face-to-face in-home) |
| • | computergestützte telefonische (CATI) oder auch |
| • | schriftliche Befragungen an. |
Online-Befragungen sind derzeit aufgrund der noch begrenzten Zahl von Internet-Zugängen unrealistisch, Passantenbefragungen sind im Regelfall nicht ausreichend repräsentativ.
Für die Wahl der konkreten Befragungsmethodik sind vor allem folgende Kriterien ausschlaggebend:
 | Mündlich persönliche Interviews | CATI-Interviews | Schriftliche Befragungen |
| Für die Untersuchung zur Verfügung stehender Zeitrahmen | Je nach Stich- probenumfang und Zielgruppe mindestens 1,5 bis 2 Wochen | Je nach Stich- probenumfang und Zielgruppe erste Ergebnisse schon nach wenigen Tagen | Je nach Stich- probenumfang und Zielgruppe mindestens 5 bis 6 Wochen |
 |  |  |  |
| Umfang des Fragebogens | Bis zu ca. 1 Stunde Interviewdauer | Bis zu ca: 30 min. Interviewdauer | Bis zu ca. 3 Stunden Interviewdauer |
 |  |  |  |
| Ausschöpfung aus der unbereinigten Rohstichprobe | Ca. 50-60% (in Einzelfällen bis zu 90%) | Ca. 30% (vor allem aufgrund häufig fehlender Telefonnummern), u.U. bis zu 70% | Ca. 50% |
 |  |  |  |
| Repräsen- tativität | - sehr hoch, auch wenn die eigentliche Zielgruppe nur einen geringen Anteil an der Grundgesamtheit hat | - sehr hoch, auch wenn die eigentliche Zielgruppe nur einen geringen Anteil an der Grundgesamtheit hat | - sehr hoch - u.U. Einschränkungen durch Autoselektion, insbesondere bei Ermittlung von und Beschränkung auf bestimmte Zielgruppen (z.B. PKW-Besitzer, ÖPNV-Nutzer, Erwerbstätige) |
 |  |  |  |
| Erreichbarkeit mobiler Zielgruppen | Schwierige Erreichbarkeit sehr mobiler Personen | Schwierige Erreichbarkeit sehr mobiler Personen | Gute Erreichbarkeit auch von sehr mobilen Personen |
 |  |  |  |
| Interviewer- effekte | Vorhanden, Tendenz zu "sozial erwünschten" Antworten | Eingeschränkt vorhanden, geringere Tendenz zu "sozial erwünschten" Antworten | keine Interviewer- effekte |
 |  |  |  |
| Interview- situation | Durch den Interviewer kontrollier- und beeinflussbar | Durch den Interviewer nur sehr eingeschränkt kontrollier- bzw. beeinflussbar | Nicht kontrollier- oder beeinflussbar |
 |  |  |  |
| Akzeptanz der Methode beim Befragten | - einerseits Vorbehalte gegen Betreten der Wohnung - andererseits hohe Akzeptanz des persönlichen Gesprächs - Möglichkeiten der Rücksichtnahme auf Zeitplanung des Befragten eingeschränkt | - Kompromiss zwischen Persönlichkeit des Gesprächs und Distanz zum Gesprächspartner - Möglichkeiten der Rücksichtnahme auf Zeitplanung des Befragten eingeschränkt | - hohe Akzeptanz beim Befragten - individuelle Zeiteinteilung für Beantwortung der Fragen möglich |
 |  |  |  |
| Kostenaufwand pro Interview | - eher hoch | - eher gering | - eher hoch |
 |  |  |  |
Selbstverständlich kann diese Darstellung nur einen groben Anhaltspunkt für die Wahl der geeigneten Befragungsmethodik geben.
Grundsätzlich kann man sagen:
| • | Bei telefonischen Befragungen sind die Ergebnisse sehr viel schneller verfügbar, dafür ist der Befragungsumfang eingeschränkt. Unter Kostenaspekten die günstigste Variante. Aufgrund der Computerunterstützung sind komplexe Filterführungen oder Bedingungskonstruktionen während der Befragung möglich. |
| • | Schriftliche Befragungen dauern zwar länger und sind auch teurer, dafür ist der Befragungsumfang fast nicht beschränkt. Besonders geeignet für Befragungen, die sich auf den gesamten Haushalt beziehen. Insbesondere bei sehr komplexen Themen oder einer großen Themenvielfalt bietet sich diese Methode an. Gleichzeitig können vom Befragten Bildvorlagen getestet werden, die visuelle Unterstützung der Fragestellungen ist sehr hilfreich. Für gute Ergebnisse kommt es sehr stark auf die Erfahrung des beauftragten Institutes (Aufbau und Layout des Fragebogens, Art und Zeitpunkt von Nachfaßaktionen, Art und Umfang von Incentives usw.) an. |
| • | Persönlich-mündliche Befragungen bieten insgesamt die höchste Repräsentativität. Sie sind unumgänglich, wenn mit Bildvorlagen gearbeitet werden muss, die erst zu einem bestimmten Interviewzeitpunkt vorgelegt werden dürfen (z.B. zuerst ungestützte und unbeeinflusste Abfrage bestimmter Gestaltungsvarianten im Sanitärbereich , später dann die gestützte Beurteilung verschiedener Konzepte). Eine visuelle Unterstützung der Fragestellungen ist durchgängig möglich. |
Die Ergebnisse beim Einsatz unterschiedlicher Befragungsmethoden sind oft nur eingeschränkt vergleichbar. Zwar ist die Richtung und Ausprägung der Antworten überwiegend identisch, das Niveau der Antworten allerdings oft unterschiedlich. Am ehesten sind nach unseren Erfahrungen die Ergebnisse telefonischer und schriftlicher Befragungen unmittelbar vergleichbar.